mardi, décembre 19, 2006
Weihnachtsferien in der Heimat
Zuerst verbrachte ich ein paar Tage in Berlin, bin nun bei meinen Eltern und werde die Zeit zwischen Silvester und meiner Abreise zusammen mit Christopher in Jena oder Berlin verbringen. Es ist schön wieder nach Hause zu kommen - denn die Zeit ist wirklich schnell vergangen und so einiges ist inzwischen passiert. Meine Nichten und Neffen können so viele neue Dinge und ich habe den typischen Tantensatz "Mensch, bist Du groß geworden!" wohl schon mehr als einmal über die Lippen gebracht.
Wundert Euch also nicht, wenn es hier in den kommenden Wochen eher nichts über Lyon zu lesen gibt, obwohl es der Lyon-Blog ist.
Ich wünsche Euch allen noch eine entspannte und fröhliche Weihnachtszeit - backt fleißig Plätzchen und habt schöne Stunden im trauten Familienkreise. Und rutscht alle gut ins neue Jahr!
lundi, décembre 18, 2006
Déménagement - Umzug
Anfangs war es ein kleiner Schocker - auch nicht anders zu erwarten bei meinem detailliert beschriebenen Teilzeitmitbewohner. Doch eigentlich war dies das Beste was mir passieren konnte. Denn: Cyril rief vor ein paar Tagen spätabends bei mir an, um mir die frohe Kunde mitzuteilen, dass er ab Mitte Januar eine Arbeit in Lyon haben wird. Dieser harmlose Anruf zog die Konsequenz nach sich, dass er ab Mitte Januar in das Appartement einziehen wird - und zwar dauerhaft. Aus dem hochgelobten Teilzeitmitbewohner sollte nun ganz plötzlich und unverhofft ein Dauermitbewohner werden!!! Mein einziger und alles beherrschender Gedanke: Ich muss weg!
Also begab ich mich zum wiederholten Male auf die Suche nach einer WG: Französische Mitbewohner, Miete nicht zu hoch, relativ zentral gelegen, aufgeschlossene Mitbewohner, am besten ein möbliertes Zimmer und Internet vor Ort... Ja, eine ziemlich lange Liste, die ich da hatte.
In der vergangenen Woche war es dann so weit, dass ich drei Termine hatte, ziemlich viele für das momentan recht magere Angebot.
Die WG Nummer eins: Ein Typ, Anfang 20, der mir nie in die Augen sah und sowieso recht undeutlich sprach. Die Wohnung roch beim Betreten nach seinem "verschlafenen" Zimmer, dessen Tür sperrangelweit offen stand. Insgesamt eine trübe Stimmung in der Bude, die von der Tatsache überschattet wurde, dass die scheidende Mitbewohnerin Besitzerin fast aller WG-Gegenstände war und diese auch mitzunehmen gedachte. Deshalb ward mir hier ein leeres Zimmer in einer WG ohne Teller, Tassen, Besteck, Kühlschrank und Herd geboten. Eher nur ein mittelprächtiges Angebot, zumal ich mit den Bewohnern, ein Mädel stieß nämlich auch irgendwann noch hinzu, nicht so wirklich warm wurde.
Die WG Nummer zwei: Treffpunkt in einem Café nahe der Opéra und des Hôtel de Villes, im Herzen Lyons. Wir saßen da, ein Mädel, ein Junge und ich und quatschten locker ein Stündchen über das Leben, die Uni, WGleben-Vorstellungen..., bis ich plötzlich aufschreckte und nur meinte, dass ich schnell los müsse zu meinem Konzert (es war der Abend meines Orchesterkonzerts am vergangenen Dienstag). Die Zeit verging wie im Fluge, ein paar sprachlich bedingte Missverständnisse inbegriffen, dennoch eine sehr angenehme Stunde mit zwei neunzehnjährigen Franzosen, die mir sehr sympathisch erschienen. Auf die Frage, ob ich sie mit ihren 19 Lenzen eventuell für zu jung hielte und darin ein Problem sähe konnte ich nur mit der Gegenfrage antworten, ob es für sie ein Problem darstelle, dass ich mit meinen 25 Jahren die grand-mère sei?!
Die WG Nummer drei: Sie schien mir im Vorfeld das perfekte Angebot. Zwei Mädels suchten für fünf Monate eine Zwischenmieterin. Die Wohnung war komplett möbliert, kleine Zimmer, ruhige Lage und das Mädel, das dableiben würde, hatte das vergangenen Jahr als Erasmusstudentin in Berlin verbracht... Wir unterhielten uns sehr gut, tranken Tee und es sah alles recht passend aus. Nur, so richtig warm wurde ich nicht mit dem Mädel... Die WG hatte zudem die Nachteile weder über ein Festnetz noch über Internet zu verfügen und einen sehr hohen Mietpreis zu haben.
Tja, genommen wurde ich nun als erstes von der WG im Zentrum. Das Zimmer hatte ich zwar noch nicht gesehen, dennoch aber nach den ersten Photos, die sie mir per Mail zusandten, einen guten Eindruck, der sich bei realer Besichtigung des Zimmers auch bestätigte. Meine lange Liste sehe ich nun als abgehakt: "Französische Mitbewohner, Miete nicht zu hoch, relativ zentral gelegen, aufgeschlossene Mitbewohner, am besten ein möbliertes Zimmer und Internet vor Ort..." - alles vorhanden!
Im neuen Jahr geht es dann so richtig los, mit waschechten Franzosen als Mitbewohnern und im Zentrum der Stadt - ich freu mich drauf!
Weihnachtsmarkt im Alsace

Wie bereits angekündigt, fuhren Sarah und ich am vergangenen Donnerstagnachmittag ins Elsass (Alsace) gen Straßburg (Strasbourg). Dort statteten wir Ulli, die dort ihr Auslandsjahr verbringt, einen kleinen Besuch ab. Nach viereinhalbstündiger Fahrt, die für uns Beide eine TGV-Premiere (wenn auch eine lahme) war, erreichten wir abends unser Ziel. Ulli holte uns vom Bahnhof ab und wir fuhren erst einmal zum Sachen abladen und Essen kochen in ihre WG. Diese ist im ersten Stock eines Neubaus, im strasbourger Bezirk Esplanade - "Marke Berlin Marzahn" - zu finden. Doch außen pfui innen hui! An Platz mangelt es den drei Mädels in der deutsch-spanischen WG sicher nicht, dafür aber an ein paar weniger sperrmüllreifen Möbeln für das Wohnzimmer...
Am ersten Abend gingen wir in eine gemütliche Kneipe in die Innenstadt, wo wir einer echt guten Liveshow von Jazzmusikern beiwohnten - und uns an deren improvisierter Musik, Mimik und Geräuschkulisse beim Spielen laben konnten. Freitag machten sich Sarah und ich nach einem ausgedehnten Frühstück mit echtem Körnerbrot (!) auf zu einem kleinen Spaziergang durch Strasbourgs Innenstadt. Wir erkundeten den Weihnachtsmarkt, zumindest einen der vielen, besuchten eine Reihe kleiner Geschäfte und erfreuten uns an der Pracht der schön restaurierten Fachwerkhäuser.
Später drehten wir gemeinsam mit Ulli noch einmal eine kleine Runde durch die Stadt. Abends entgingen wir nur knapp einer kleinen Schlägerei in der Stammkneipe von Ulli und ihren Freunden. Zwei wilde Kerle hielten es für angemessen, sich in der interessant, mit Tangas und Kuscheltieren verzierten Räumlichkeit, die Köpfe einschlagen zu wollen. Glücklicherweise saßen wir nicht nur am andern Ende des Raumes, sondern gab es dort ein paar ebenso kräftige und statt "rot" durchsehende männliche Wesen, die die beiden Streithähne halbwegs voneinander lösen und zeitweilig aus dem Laden befördern konnten. Die etwas später in zivil eintreffende Polizei machte aufgrund ihrer Vielzahl ordentlich Eindruck, da sie zu zehnt das kleine Kneipchen stürmte... Anschließend begaben wir uns auf den Weg zu einer Ärzteparty ins Krankenhaus. Dort gab es neben dem kostenlosen Eintritt und zumeist nicht anhörbarer Musik alle Getränke kostenlos. Dies führte dazu, dass die anwesenden Studenten sich zu exzessiven Alkoholgenüssen verführen ließen. Wir, Sarah, Ulli und ich, zogen uns in einen etwas abgelegeneren Raum zurück, in dem wohl eine VOR-Party stattgefunden hatte. Auf den Tischen waren leergegessene Teller und Essensreste zu finden. Die Wände dieses Raumes wurden scheinbar einmal mit viel Liebe verziert, da sie von jemandem mit nackten, kurvigen Frauen und ausschließlich hässlichen Männern in den wildesten Posen bemalt waren. Ausserdem ließ sich in diesem Raum eine Tiefkühltruhe mit Eis finden, die wir zu plündern wussten. Samstag bummelten wir durch die vollen Straßen, begutachteten das "Petite France", die Ursprünge Strasbourgs und ließen uns zu einem Stück Kuchen in einem kleinen Café nieder.
Abends wurde dann in der WG ein spanisches Essen gekocht, doch wir klinkten uns etwas aus und verquatschten die Zeit stattdessen. Die heutige Rückfahrt verflog recht schnell, so dass Sarah und ich entspannt und voller neuer Eindrücke in Lyon eintrafen, wo eine frohe Kunde auf mich wartete... Dazu aber im folgenden Blog mehr!
vendredi, décembre 15, 2006
Vacances de Noel
Doch vorher geht es noch auf einen kleinen Abstecher nach Strasbourg - um Ulli, ihrer WG und dem Weihnachtsmarkt einen Besuch abzustatten. Dazu gibt es dann nach dem Wochende mehr!
mardi, décembre 12, 2006
Der ganz normale Studentenwahnsinn
Die Examen stehen ins Haus und lassen den Studenten scheinbar keine andere Wahl, als sich alles erdenkliche an Literatur einzuhämmern. Mir müssen für meine Kurse meine notdürftigen Mitschriften und ein paar Kopien von inländischen Studenten genügen. Das französische Unisystem sieht es so vor, dass man nach jedem Semester die Inhalte jeglicher Kurse in Form von Klausuren innerhalb einer Woche wiedergeben muss. So wird garantiert, dass der Student die Inhalte mindestens ein Mal aufgenommen und gelernt hat. Wie lange dieses eingehämmerte Wissen jedoch bestehen bleibt, ist fraglich. Da gefällt mir das deutsche System wirklich besser. Zumindest so wie ich es kenne, denn mit den neuen Studiengängen im BA und MA ist das nicht mehr vergleichbar, da diese eher dem französischen und verschulten Unisystem mit der Wissensabfrage in abschließenden Klausuren nahekommen. Ja, so sieht hier der ganz normale Wahnsinn im Unialltag aus!
lundi, décembre 11, 2006
Nachtrag
Daher noch ein kleiner Photonachtrag des heutigen Abends:
Hôtel de Ville

Innenhof Hôtel de Ville

Innenhof Hôtel de Ville

Place des Terreaux vor dem Hôtel de Ville

Gare Saint-Paul

St. Jean

St. Jean

Seidenfäden
dimanche, décembre 10, 2006
Lyons Lichterfest: Fête des Lumières
Dieses Wochende fiel zwar fast komplett ins Wasser, dennoch war es wirklich ein Eindruck, nein viele, der besonderen Art und ich bin immer wieder begeistert, dass ich in Lyon sein darf! Das "Fête des Lumières" ist eine DER Attraktionen, die Lyon zu bieten hat.
Es findet jedes Jahr am 8. Dezember statt. Die Straßenbahnen wurden bereits ein paar Tage vor diesem Großereignis in blaues und rosafarbenes Licht getaucht und auch auf den Straßen gab es täglich etwas Neues zu entdecken. Bereits am Donnerstagabend begannen in der Innenstadt die ersten Festlichkeiten. Im Vieux Lyon gab es ein schönes Schauspiel an der Kirche St. Jean zu sehen.
Am Freitagabend regnete es dann teilweise in Strömen, doch wir ließen uns nicht von dem Wetter abhalten und machten uns auf die Reise durch die Wunderwelt des Lichts. In der Innenstadt gab es alle paar Meter ein neues Ereignis zu sehen. Besonders an den Kirchen, zentralen Bauten und Plätzen konnten die Besucher die Lichterwelt bewundern. Ob Käfer, Feen, Engel oder abwechselnd bunte Farben oder Muster - die Effekte waren immer sehr beeindruckend und die Ideen sehr abwechslungsreich.
Das Licht regierte die Abende dieses Wochenendes ebenso wie der Regen, der tausende Regenschirme durch die Straßen wandern ließ.
Samstag erschwerte ein Generalstreik die Fortbewegungsmöglichkeiten in der Stadt, so dass Philli und ich uns abends zu Fuß auf den Weg in die nähere Umgebung machten und dabei eine ganz tolle Percussionstruppe erleben durften. Der Saal war vollständig abgedunkelt und die Leute auf der Bühne waren komplett weiß angezogen. Ins Gesicht hatten sie sich mit Leuchtfarbe, die bei Schwarzlicht leuchtet, Muster gemalt und ihre Percussioninstrumente, von Rasseln über kleine bis hin zu großen Trommeln, waren mit bunten Lichtern ausgestattet, die passend zum Rhythmus ihre Farben wechselten. Die Stimmung, die sie mit ihrem Bühnentanz, den Rhythmen und dazu wechselnden Lichtern erzeugten, war wiklich einzigartig!


Um Euch ein paar Eindrücke von diesem Fest zu vermitteln, hänge ich nun einfach noch ein paar Bilder an. Wobei man dieses Fest einfach einmal LIVE miterlebt haben sollte - also merkt Euch für die kommenden Jahre den 8. Dezember als empfehlenswertes Reiseziel nach Lyon vor!
St. Jean im Regen
Furvière

Hôtel de Ville
L´Opéra

Ludwig der XIV. unter einer Schneekuppel auf dem Place Bellecour
jeudi, décembre 07, 2006
Frankreicheindrücke
Die Franzosen...
... essen scheinbar keine Lebkuchen, zumindest gibt es diese hier nicht käuflich zu erwerben. Wenn denn hier nicht die Firma "Schlecker" zu finden wäre. Denn Dank dieses Ladens bekomme ich zumindest die Möglichkeit dieses Genusses!
... scheinen vieeel später als die Deutschen dem Weihnachtsfieber zu verfallen. Die Flut der Angebote hielt sich bis Anfang Dezember zurück, geschmückt wurde erst Ende November und Weihnachtslieder hab ich hier bisher kaum gehört, das ist wirklich mal eine entspannte Vorweihnachtszeit!
Hier in Lyon im Alltag habe ich Folgendes festgestellt.
In Lyon...
... sind in der Woche täglich gegen 17h00 die Straßenkreuzungen hoffnungslos verstopft. An den Ampelkreuzungen herrscht das reinste Chaos, alle Autos stehen auf der Kreuzung herum, während sich hinter ihnen ein kilometerlanger Stau bildet, die Straßenbahn kommt nicht durch und alle Leute meinen grün zu haben... Wirklich verrückt! Das Hupkonzert dazu ist auch immer wieder nervenaufreibend..., gehupt wird hier sowieso ständig.
... haben die Leute im Alltag einfach die Arschruhe weg! Wenn die Straßenbahn aus unerklärlichen Gründen steht und steht gibt es bei den Fahrgästen keinerlei sichtbare Reaktionen darauf. Die Leute bleiben locker und entspannt, lassen sich überhaut nicht aus der Ruhe bringen und beginnen auch nicht hektisch alle paar Sekunden auf ihre Uhr zu starren. Sie lassen es über sich ergehen, richtig so! Denn ändern können sie daran ja eh nichts. Auch wenn ein Streik angekündigt wird, bringt dieser die Leute hier nicht aus der Ruhe. Das liegt aber sicher auch daran, dass Streiks hier einfach an der Tagesordnung sind!
... herrscht eine absolute Kontrolle über die Fahrgäste des Nahverkehrssystems. Beim Eintritt in die Métro sind überall an den Eingängen Sperren zu finden, die sich nur durch das Abstempeln des Tickets öffnen. In den Straßenbahnen muss man immer sein Ticket abstempeln. Oder, wenn man im Besitz einer Monatskarte ist, muss diese an den Leser gehalten werden, der dann eine gültigen Karte durch einen "Piep" und grünes Licht signalisiert. Wenn aber jemand keine gültge Karte hat, bekommt das jeder Fahrgast mit, da es drei Mal piept und das Licht rot leuchtet... Ich versteh nicht, wieso ich jedes Mal diese Karte abpiepsen muss und glaube, dass dies einfach nur der totalen Kontrolle der Fahrgäste dient.
... fahren die U-Bahnen und die Züge wie in England, also immer auf der falschen Seite, was beim Warten im U-Bahnhof noch immer des Öfteren zu Verwirrungen meinerseits führt.
... existieren für die Fußgänger keine roten Ampeln. Kinder bekommen es bereits mit der Muttermilch verabreicht, dass man - egal ob die Ampel rot oder grün ist - immer über die Straße gehen kann. Die Autofahrer haben teilweise keine Chance bei grün über die Ampel zu fahren, da die Menschenmassen einfach immer weiter gehen.
... rempeln die Menschen gerne. Aus dem Weg geht man als Franzose scheinbar nicht - man bleibt seinem Weg treu und setzt darauf, dass der Entgegenkommende ausweicht. Gerempelt wird hier so richtig!
... sprechen die Leute oft in gedämpfter Lautstärke. Egal ob im Café, der Bahn oder auf der Straße, die Gesprächslautstärke liegt deutlich unter der der Deutschen. Deshalb fällt man hier im Gespräch mit Anderen auch immer gleich auf.
... gibt es morgens und abends immer eine Reihe kostenloser Zeitungen auf der Straße. Sie werden an den Métroein- und ausgängen verteilt. Drei Zeitungen namens "20 Minutes", "Lyon plus" und "Métro" kann man sich morgens für die Bahnfahrten mitgeben lassen, abends wird der "Direct soir" verteilt. Es sind oberflächliche Klatschmagazine, in denen zum Beispiel politische Ereignisse, Anzeigen, Fernsehprogramme, Wetteraussichten - eben ein paar allgemeine Informationen - zu finden sind. Abends im Direct soir, der mich an die BILD erinnert, gibt es dann neben den aktuellen Geschehnissen noch ein bisschen was über ein paar Stars und deren Geschichtchen zu lesen.
vendredi, décembre 01, 2006
Flucht vor dem Wochenende
Mein Apartment ist sehr gemütlich - hinter der großen Holzeingangstür entdeckt der Eintretende zuerst einen kleinen Flur und ein einzelnes WC. Der Flur führt in eine geräumige Küche, von der das Wohnzimmer abgeht. Vom Wohnzimmer aus ist das Bad betretbar und der "Schrank", ein fensterloses kleines Zimmer mit einem Bett (mehr passt nicht rein), in dem ich schlafe.
Eigentlich bin ich fast immer alleine in der Wohnung, doch von Zeit zu Zeit meldet sich mein Coloc Cyril an. Dann heißt es "Augen zu und durch!".
Cyril ist alles andere als ein attraktiver Franzose. Er ist der Inbegriff von so gut wie allen schlechten Eigenschaften, die ein Mitbewohner haben kann. Deshalb bin ich heilfroh und mache täglich drei Kreuze, dass er nur (m)ein partieller Mitbewohner ist. Gut, anders wäre es in dieser Wohnung auch nicht möglich, da der Platz wirklich sehr begrenzt ist und für zwei Leute, die sich nicht besonders nahe stehen, absolut nicht ausreicht.
Um nur ein paar seiner "Eigenschaften" zu nennen: Er ist die Couchpotato schlechthin, verlässt die Wohnung nach seiner Ankunft für das gesamte Wochenende nicht mehr, hängt entweder vor der Glotze oder seinem PC, spielt lautstark Ballerspiele, hört Hartdcoretechnomugge auf höchstmöglicher Lautsärke, also etwa 120 Dezibel, oder mixt diese stundenlang selber, was immer wieder Phasen der Extremlautstärken beim Anhören seiner Werke mit sich bringt.
Seit nun auch noch die von mir bestellte und bezahlte "Freebox" hier eingetroffen ist, die das Festnetztelephon, den Internetanschluß und 200 TV-Sender beinhaltet, ist es hier wirklich gar nicht mehr zu ertragen, wenn Cyril im Land ist! Er klaut sich mein Internetkabel, da er keins hat und ist eingeschnappt, wenn ich es mir mal nehme... Und die 200 TV-Sender werden natürlich auch rauf und runter gesehen...
Ansonsten geht Cyril nie einkaufen, außer am Sonntag kurz vor seiner Abfahrt, was dann alles an seinen zweiten Wohnsitz mitgenommen wird. Er isst sich immer an meinen Sachen satt, hat noch nie einen Wischlappen in die Hand genommen, geschweige denn einmal abgewaschen.
Cyril ist einfach ein - hmm, wie soll ich sagen...? Ich kann es nicht in Worte fassen, aber wer ihn einmal LIVE hier erlebt, hat anschließend überwiegend negative Gefühle für ihn, ja, das trifft es in etwa.
Doch zum Glück ist dieses rücksichtslose Wesen nicht zu oft hier anzutreffen, so dass ich die meiste Zeit sehr entspannt und zufrieden in der Wohnung leben kann. Mir geht es gut hier und ich fühle mich wohl. Außerdem habe ich nach seinem letzten Besuch beschlossen, dass ich einfach nicht mehr oft da sein werde, wenn er herkommt. Denn diesen Psychoterror und das dadurch verdorbene Wochenende kann ich mir sparen! Deshalb ziehe ich heute Abend zu Sarah und werde erst am Sonntag wieder zurückkehren. Den Kühlschrankinhalt habe ich weitestgehend aufgegessen, so dass alles wohl präpariert ist für seine Ankunft.
samedi, novembre 25, 2006
Im Land des Beaujolais

Am Samstag nahm ich an einer Exkursion in das nördlich von Lyon gelegene Weinbaugebiet Beaujolais teil. Organisiert wurde dieser Ausflug von der Uni und dies ausschließlich für uns Erasmusstudenten. Deshalb erkämpften Sarah und ich uns am vergangenen Dienstag erfolgreich einen der heißumworbenen Plätze. Denn beim ersten organisierten Ausflug dieser Art in die nähere Umgebung Lyons, der vor einem Monat angeboten wurde, hatten wir nicht so viel Glück, da wir damals Person 50 und 51 waren - von 50 möglichen Plätzen!
Der Tag begann recht früh, da wir uns gegen Sieben aus den Federn erheben mussten, denn die Reise begann 8h45. Zuerst steuerten wir Villefranche sur Saône an, was ein kleines, gemütliches Städtchen im Südosten des Beaujolais ist. Hier gab es eine sehr schön verzierte sandsteinfarbene Kirche und viele bunte Häuser, deren Fensterläden sich in ihrer Farbe an jedem Haus unterschieden. Villefranche ist momentan die Hauptstadt des Beaujolais und wir besuchten hier das Museum "Maison du Patrimoine". Dort wurde in einer Etage etwas zu der Geschichte Villefranches dargestellt, was mit kleinen Bilderrätseln recht ansprechend gestaltet war. Im zweiten Stockwerk klärte uns eine nette junge Dame dann über das Ritual des Armeebeitritts der jungen zwanzigjährigen Männer auf. Anlässlich des Eintritts in die Armee und dem damit verbundenen achtjährigen Abschied von der Familie, den Freunden und der Heimat, wurde immer am Abend vor der Auslosung der Einzelnen ein großes Fest gefeiert, was bis heute so beibehalten wird, obwohl es in Frankreich seit einigen Jahren keine Armeepflicht mehr gibt.
Unser zweites Ziel war dann die Besichtigung eines Weinguts. Dort angekommen erzählte uns der Winzer erst einmal etwas über die Ausmaße des Landes und das dort vorherrschende Klima.
In den Hallen seines Familienbetriebes angelangt, in denen riesengroße Holzfässer unsere Blicke auf sich zogen, wurde jedem ein Weinglas gereicht, kleine Käseecken, Baguette und Salami aufgetischt und der Beaujolais aus dem Jahr 2006 flaschenweise geöffnet und zum Verköstigen eingeschenkt. Der Winzer, ein sympathischer runder Mann, weihte uns in die Geheimnisse des richtigen Weinverköstigens ein und die Leute machten sich in den folgenden anderthalb Stunden über jegliche noch herumstehenden Weinflaschen her. Ein paar lustige Spiele wurden uns dann auch gezeigt. Bei einem gab es eine gut zehn Kilo wiegende Riesenflasche, die mit Wasser gefüllt war, welches man mit nur einer Hand in eine kleinere Flasche schütten sollte. Dies schaffte kaum jemand. Normalerweise ist die große Flasche mit Wein gefüllt und derjenige der es schafft mit nur einer Hand etwas in die kleine Flasche zu schütten, darf dies dann austrinken. Die Freude über diese Spiele war natürlich groß und die Atmosphäre auf dem Hof sehr entspannt und fröhlich - dem Beaujolais sei Dank! Zum Schluss kauften sich dann viele auch einige Flaschen als Andenken...
Das letzte Ziel war dann die frühere Hauptstadt des Beaujolais, nämlich Beaujeu. Dort gab es nicht sooo viel zu bewundern, das interaktive Museum wurde nur von Filmen betrieben, die nicht richtig liefen..., weshalb wir alle eher nur davon gelangweilt waren. Auf einem kleinen Platz spielten ein paar alte und junge Männer nebeneinander Boule, das typische Franzosenspiel. Das war dann doch noch ganz nett anzusehen...
vendredi, novembre 24, 2006
Drei Monate?
Also Zeit für einen kleinen Rückblick auf das vergangene viertel Jahr im Land des guten Käses und der Fleischfresser.
In Lyon angekommen hieß es am ersten Wochenende erstmal eine Wohnung suchen und finden. Dies war, Dank Cyril, meinem temporären Coloc, ein leichtes Spiel, wenn auch ein inzwischen etwas Nervenaufreibendes... Dazu in einem folgenden Text mehr!
Der vierzehntägige Sprachkurs begann dann direkt nach dem ersten Wochenende Anfang September. Dieser war sehr intensiv, ergab aber auch die ein und andere kleine Freundschaft mit netten Leuten aus aller Welt. Auch wenn sich dort schon herauskristallisierte, dass die Deutschen hier unter den Erasmusstudenten die am häufigsten anzutreffende Nation sein würden. Ich weiß nicht, ob dies an der Nähe Deutschlands zu Frankreich liegt, oder weil Lyon die zweitgrößte Stadt ist..., aber, Deutsche findet man hier einfach überall!
Der Unistart begann dann Mitte September etwas steinig, da ich keinen Tutor hatte, der sich mit mir mal den Stundenplan, den ich sogar schon in Eigenregie erstellt hatte, ansehen, überprüfen und absegnen wollte. Also begab ich mich selbst auf die Suche und wurde in einem meiner Dozenten fündig. Dieser ist auch jetzt ständiger Ansprechpartner für mich und erkundigt sich regelmäßig nach meinem Befinden.
Anfangs verstand ich wirklich nicht besonders viel, hatte Stress mit der Bank (BNP) und dem Mietvertrag, ständig kamen horrende Unsummen an für mich sinnlosen Kosten (Gebühren für das Ausdrucken neuer Mietverträge, die ich mit 130€ einfach für übertrieben hoch befand) auf mich zu... Cyril, mein Coloc, erklärte mir dann irgendwann wie sich die Nebenkosten für die Miete genau zusammensetzen, die mich auch noch einmal mächtig schlucken ließen, denn diese waren plötzlich wesentlich höher als zuvor (nur mündlich!) abgesprochen... Tja, Internet und Festnetz wollte ich dann auch gerne haben, was wieder ein bisschen kompliziert und kostenaufwändig war, aber seit Ende Oktober läuft das alles wie geschmiert und ich bin sehr zufrieden damit!
Am letzten Oktoberwochenende empfing ich dann auch erstmals Besuch aus Deutschland, nämlich Jule, nachdem Philli bereits Ende September schon einmal bei mir zu Besuch war. Wir feierten meinen 25. Geburtstag und genossen die anschließende Ferienwoche ausgiebig.
Die französische Sprache ergibt für mich inzwischen immer mehr Sinn, vielen Gesprächen kann ich folgen, auch wenn ich mich bei der Verständigung mit meiner Umwelt oft noch sehr unbeholfen und degradiert fühle. Denn die bisher behaltenen Vokabeln reichen nur für sehr oberflächliche Gespräche mit den Mitmenschen aus und anhand des unverkennbaren deutschen Akzents wird man in so gut wie jeder Situation nach nur wenigen Worten als Ausländer enttarnt. Doch das hält mich nicht davon ab, in den noch vor mir liegenden sechs Monaten ein paar französische Freundschaften zu schließen, um den Akzent mit Hilfe der Muttersprachler weiter zu perfektionieren, die Grammatik- und Vokabelkenntnisse stetig aufzubessern und weitere Extravaganzen dieses Völkchens zu Tage zu befördern!
Abschließend plane ich dann im Juni eine Reise durch dieses schöne Land, vier Wochen Entspannung vor dem sicher wieder schnell einkehrenden Alltag in Berlin. Wer also noch einmal die Möglichkeit wahrnehmen möchte, mich hier in dieser wirklich schönen Stadt zu besuchen, sollte dies bis Ende Mai beanspruchen, wobei da die Examen sein werden... Also, weiht mich gerne ein in eure Planungen - ihr seid jederzeit Willkommen!
vendredi, novembre 17, 2006
Orchestre National de Lyon

Donnerstag-
abend gab es
ein großes
Ereignis hier
vor Ort für
alle Studenten.
Das "Orchestre National de Lyon" gab ein Konzert - extra nur für Studenten! Der Clou daran: Es kostete uns nichts - rien! Das Ganze nannte sich: "Concert des édudiants" und beinhaltete ein sehr schönes zweistündiges Programm mit Werken von Rossini, Paganini, Verdi und Mendelssohn Bartholdy.
Das Auditorium, ein relativ moderner und akustisch sehr guter Konzertsaal war mehr als gut gefüllt mit jungen Leuten, die ordentlich Stimmung machten - mit angedeuteten Wellen und überschwänglichem Applaus im Vorfeld... Die einströmenden Studentenmassen wollten gar kein Ende nehmen und so kamen immer noch ein paar Nachzügler herein, während das Orchester bereits die "Ouverture de `Guillaume Tell`" spielte. Freie Plätze gab es für die Zuspätkommer keine mehr, doch die Treppen boten sich für sie förmlich an.
Es folgte das "Concerto pour Violon Nummer 1" von Paganini, bei dem ein junger Solist aus Serbien, Nemanja Radulovic, das Publikum mit seiner atemberaubenden Technik und dem klaren Klang seiner Geige in seinen Bann zu ziehen wusste. Er spielte mit dem Orchester, indem er sich an einigen Passagen zu ihm hindrehte und in die Menge der Musizierenden sah. Außerdem buhlte er ab und an um die gesamte Aufmerksamkeit des Dirigenten für sich und wandte sich erst von ihm ab, wenn dieser seinen Blick erwidert hatte. Nemanja Radulovic vertiefte sich so in die Musik, als ob es kein Publikum drumherum gäbe und spielte technisch und musikalisch wirklich einwandfrei. Seine schwarzen, halblangen Locken flogen regelmäßig durch die Luft und sein rechter Fuß konnte sich ab und zu nicht halten und stampfte so laut auf, dass es jeder im Publikum hören konnte. Aber genau so muss ein Solist sein, das Publikum vollkommen in seinen Bann ziehen und es von sich und dem Spiel begeistern. Das hat er ganz sicher geschafft mit seinem Auftritt!
Der zweite Teil des Konzerts wurde mit dem "Prélude d´´I Masnadieri`" eröffnet, auf das als letztes Stück die "Symphonie Nummer 4" von Mendelssohn Bartholdy folgte, die mir sehr gut gefiel. Anschließend nahm der Beifall der 2000 Studenten, die im Auditorium zwei entspannte Stunden klassische Musik erleben durften, lange kein Ende und es wurden noch zwei Zugaben aus "Carmen" von Georges Bizet gespielt.
Insgesamt war dies ein sehr schöner Abend, bei dem hoffentlich viele der anwesenden Studenten auf den Geschmack eines weiteren Auditoriumsbesuches gekommen sind - ich ganz bestimmt!
Wirbelwind und Regenstrippen
Der Herbst ist längst da in Lyon!
Die Blätter in den Alleen, die meist von vielen Platanen gesäumt sind, beginnen sich allmählich bunt zu färben, die Straßen sind vom Herbstlaub übersät und es raschelt bei jedem Schritt. Die Temperaturen sind noch immer mild, obwohl es auch schon ein paar kühlere Tage gegeben hat.
So sah die Welt hier gestern noch aus, heute gab es dann den kompletten Wetterwechsel. Als ich morgens die Haustür öffnete musste ich auf dem Absatz kehrtmachen, da ich sehr unpassend gekleidet war.
Strippen fielen - und fallen - vom Himmel, auf den Betonböden bilden sich kleine Bäche, die sich an einigen Stellen zu reißerischen Flüssen entwickeln. Der Himmel ist grau in grau und die ganze Zeit hat man das Gefühl, dass der Tag gleich vorbei ist...
vendredi, novembre 10, 2006
In der Ruhe liegt die Kraft
Für mich ist diese entspannte (?) Form des Einkaufens wirklich gewöhnungsbedürftig. Hier in Frankreich ist nicht das Heraussuchen der einzelnen Einkaufswaren das Zeitaufwändige, sondern zum Bezahlen dieser zu kommen. Denn auch das veraltete und sehr zeitintensive System der Bezahlungsmöglichkeit mit Schecks frisst eine Menge Zeit. Schecks, das sind einzelne Zettel in einem Scheckheft (Chéquier), bei dem der Kunde zum Bezahlen einen Scheck aus dem Heft heraustrennt, der durch die Kasse gejagt wird, um ihm die zu bezahlende Summe aufzudrucken. Dies erfordert anschließend eine Unterschrift des Kunden und benötigt insgesamt irgendwie viel mehr Schreibkram als alle anderen gängigen Zahlungsmittel.
Und wenn nicht das gute Scheckheft oder eine Reihe von gesammelten Bonusbons gezückt wird, entscheidet man sich für die Visakarte. Bargeldlos heißt hier DER Trend!
mercredi, novembre 08, 2006
Parc de la Tête d'Or


Am Wochenende tummelt sich die halbe Stadt in diesem grünen Wunder: Eltern führen ihre Kinder aus, Väter bringen den Kleinen Fahrrad fahren oder Inlineskaten bei und auf den Wiesen lässt man sich zum Picknick nieder. Wer besonders wissensdurstig ist, kann sich in einem der vielen Gewächshäuser weiterbilden oder dem Botanischen Garten auf dem Gelände einen Besuch abstatten. Doch geht man in der Woche vorbei, kann man sich dort auch zur Ruhe setzen und die Natur genießen. Der Park ist wirklich vielseitig mit seinen vielen kleinen Extras, denn neben den Gewächs- häusern und dem
Botanischen Garten ist dort beipsielsweise auch ein kleiner Zoo, in dem es viele Tiere Afrikas kostenlos zu besichtigen gibt. Und auch dieser Zoo weiß jung und alt anzulocken und den Stolz der Lyonnaisen zu mehren! Einen große Teil des Parks nimmt zudem ein schöner kleiner See ein, der momentan von herbstlich bunt verfärbten Bäumen gesäumt wird. Enten und anderes Schnattergetier tummeln sich auf dem See und zu der richtigen Jahreszeit kann man auf ihm auch eine kleine Bootstour unternehmen. Eine Parkeisenbahn lädt die Kinder zu einer ruhigen Bummelfahrt ein und ein paar Essbuden verlocken mit ihren Düften, jedoch nicht mit ihren unangemessenen Preisen. Dieser Park ist wirklich sehr schön gestaltet und viel Arbeit und Liebe steckt in diesen Quadratkilometern drin. Mich wundert wiklich wieso er kostenlos ist?!
dimanche, novembre 05, 2006
Urlaubsabenteuer
Am vergange-nen Dienstag,
dem Reforma-
tionstag
oder auch
Halloween, fuhren wir
hochmotiviert
und voller Vor-
freude in aller
Herrgottsfrühe
zum Bahnhof
in Lyon, wo wir
um 08h06 in den Zug gen "Aix-les-Bains" stiegen. Dort angekommen begaben wir uns in die Touriinfo, um einen Lageplan von der Stadt und einen günstigen Fußweg zur Jugendherberge herauszufinden. Auf dem Weg zur Jugendherberge liefen wir geradewegs auf den "Lac du Bourget" zu, der ein atemberaubendes Naturschauspiel darstellte. Keiner von uns konnte und wollte sich dem entzückenden Anblick entziehen und so stellten wir, vollkommen begeistert von dem schönen Naturschauspiel vor unseren Augen, die Taschen beiseite und setzten uns kurz ans Ufer, um diese schöne Atmosphäre in uns aufzunehmen und der Natur das Spiel zu überlassen...
Die Jugendherberge lag keine fünf Gehminuten von diesem wunderschönen See entfernt, der übrigens der Größte Frankreichs ist.
Wir verbrachten einen entspannten Tag in diesem kleinen Kurort, der neben dem Lac du Bourget noch ein paar Thermalquellen zu bieten hat.

Zum Mittagsmahl setzten wir uns ans Ufer des Sees und genossen unser frisches Baguette mit Brie beim Anblick und Ausblick auf den See, der von grünen Bergen umgeben und von vielen Möwen, Enten und Blesshühner belebt wurde.
Der kilometerlange Fußmarsch durch die Stadt erforderte uns gutes Schuhwerk ab, wobei Jule mit einem Paar neuer, nicht besonders teurer, Schuhe schlecht beraten war und abends den Tribut mit einigen Blasen an beiden Füßen zu zahlen hatte...Am nächsten Morgen sollte es dann weiter nach "Annecy" gehen, wo eine kleine Stadt mit dem "Lac d´Annecy" auf uns wartete. Das Ticket wurde vorsorglich am Vortag käuflich erworben und der etwas verspätete Zug fuhr uns zum Abschied noch einmal direkt am Ufer des Sees entlang, so dass wir ein letztes Mal einen schönen Rundumblick auf diesen genießen konnten.
Nach einer dreiviertel Stunde Fahrt wurden wir etwas unruhig, da der Zug partout nicht ankommen wollte. Als wir dann einen Halt in "Bellegarde" machten wurde ich etwas stutzig und meinte zu meinem Damentrio, dass da etwas falsch sein müsse. Denn Bellegarde liegt auf dem Weg gen Genève (Genf) und nicht gen Annecy. Wir machten ein paar Scherze, was denn wohl wäre wenn wir im falschen Zug säßen, wähnten uns aber auf der sicheren Seite, zumal der Schaffner ja bereits unsere Tickets genau studiert und kontrolliert hatte, ohne uns auf ein fehlerhaftes Reiseziel aufmerksam zu machen. Dennoch erreichten wir letztendlich nach anderthalb Stunden Zugfahrt nicht Annecy, sondern Genf. Da war die Aufregung groß!
Tja, nun nahmen wir das Geschenk eben an, für wenig Knete nach Genf gefahren worden zu sein, obwohl es angesichts des nicht vorhandenen Euros in Genf einige Rechenprobleme gab und wir erst nach einem halben Tag vor Ort in Etwa den aktuellen Wechselkurs in Erfahrung gebracht hatten.Ein Jugendherbergsplatz für drei von uns Vieren ward für die Nacht schnell gefunden und die Sachen sicher in den dort vorhandenen Schließfächern verstaut, so dass wir bald die Stadt erkunden konnten.

Der Genfer See bot mit den vielen Segelbooten, die da im Hafen auf den Wellen tanzten, einen herrlichen Anblick und die Stadt strotzte nur so vor Geld. Überall hingen große Uhren in den Straßen und die Banken ragten aus dem allgemeinen Häuserbild heraus. Auch den Leuten auf der Straße war der Wohlstand anzusehen. Wir durchforsteten und erkundeten die Innen- und Altstadt und ließen uns dann gegenüber vom Geburtshaus Jean-Jacques Rousseaus zu einem ausgedehnten Mittagsmahl nieder. Philli entschied sich dafür schon am Abend nach Grenoble zurückzukehren, da sie am Wochenende noch eine letzte Bergtour in diesem Jahr vor sich hatte. Diese Entscheidung wurde ihr dann etwas versauert, da der Zug drei Stunden Verspätung hatte und sie deshalb statt zwei Stunden ganze fünf in diesem sitzen musste...Am zweiten Tag in Genf lockte ein strahlend blauer Himmel, der aber nicht von den drastisch gesunkenen Temperaturen ablenken konnte. Der Wind blies in Sturmböenmanier und wehte uns bald weg, dennoch wurde es ein schöner Tag in Genf, den wir uns mit einer guten heißen Schokolade und einem feinen Schokotörtchen zu versüßen wussten.
Nachmittags fuhren wir dann gut erholt und voller neuer Eindrücke gen Lyon zurück, wo ich noch ein schönes Urlaubswochenende mit meiner Jule verbrachte.
vendredi, novembre 03, 2006
Ein viertel Jahrhundert

Für alle, die es noch nicht wussten...: Ich wandele nun schon seit einem viertel Jahrhundert auf dieser Erde und durfte diesen Ehrentag im herrlichen Lyon verleben - von alten und neuen guten Freunden umgeben und mit Geschenken überhäuft.
Gefeiert wurde bei mir in der Bude, geladen waren natürlich nur edle Gäste, die bekocht wurden und bekochten. Jule, die mich anlässlich dieser Feierlichkeit in Lyon besuchte, tischte uns ein leckeres Tzatziki und um Mitternacht ein sehr gut gelungenes Tiramisu auf. Philli, die aus Grenoble angereist war, probierte sich an den leckeren Crêpes à la Pierre und meine Wenigkeit versuchte sich an einem Ratatouille.
Ein buntes Dreiländergemisch bildend saßen wir gemeinsam beisammen und unterhielten uns auf Deutsch, Französisch und gelegentlich auf Englisch, aßen die gebotenen Leckereien und spielten ein paar Runden Kniffel. Als die Mitte der Nacht dann anbrach saß ich mutterseelenallein im Zimmer und erwartete freudestrahlend meine Gäste aus dem Nebenzimmer, die mir einen edlen Wein zum Anstoßen und das Tiramisu – meinen Geburtstagskuchen – reichten! Nacheinander beschenkten sie mich mit schönen und immer schöneren Geschenken. Den restlichen Abend saßen wir dann in gemütlicher Runde beisammen und hüpften gegen Drei in die Betten, um den Schönheitsschlaf ans Werk zu lassen. Nach einem fast vollständig verschlafenen Vormittag wurde dann gegen Mittag ein ausgedehntes und sehr gemütliches Geburtstagsfrühstück mit frischen Croissants und Café zelebriert. Der strahlend blaue Himmel und die milden Temperaturen luden uns am Nachmittag zu einem ausgedehnten Spaziergang im „Parc de la Tete d´Or“ ein. Bevor es am Abend zum Essen ins „Resto Pirate“ ging, schlenderten wir relativ ziellos durch die Gassen Lyons und statteten einigen Läden einen kleinen Besuch ab. Im Restaurant angekommen entschieden wir uns alle für das Studentenmenü, das aus einem Kartoffelauflauf, einem bunten Salat und einem köstlichen Schokokuchen als Dessert. Dazu tranken wir ein erlesenes Tröpfchen Rotwein aus der Region. Nach Beendigung des Abendmahls fuhren wir in die Wohnung zurück, da uns am kommenden Tag das Urlaubsabenteuer bevorstand, von dem ich in Bälde mehr berichten werde.
jeudi, octobre 26, 2006
Théories Sociologiques
Wenn wieder kleckerweise Studenten schlaftrunken ins Amphi C schwanken, dann ist die Mitte der Woche angebrochen und eine neue Doppelstunde Soziologischer Theorien nimmt ihren Lauf. Dieser Kurs wird von zwei – sehr unterschiedlichen – Dozenten gestaltet, die ich Euch hier nun einmal präsentieren möchte. Zum einen haben wir da M. Déchaux, einen waschechten Franzosen, Mitte Dreißig, kurzes schwarzes Haar mit prächtigen Geheimratsecken, immer akkurat gekleidet. Sobald M. Déchaux den Raum betritt, vollzieht sich Woche für Woche das gleiche (in diesem Fall dürfte es auch das selbe genannt werden) Schauspiel. Er bewegt sich direkt auf sein Ziel zu: Den Lehrertisch. Dort platziert er seinen Rucksack, von meinem Platz aus betrachtet vorne links, zieht seine Jacke aus, die zusammengefaltet und über die Stuhllehne des nebenstehenden Stuhls gelegt wird. Anschließend entnimmt er dem Rucksack seine Mappe mit den Aufzeichnungen für die Stunde, die fein säuberlich in die Mitte des Tisches gelegt wird. Der Rucksack wandert daraufhin auf den nebenstehenden Stuhl, der bis dahin nur der Jacke behilflich war. M. Déchaux setzt sich dann an seinen Tisch, pustet ins Mikrophon und bemerkt spätestens dann, dass er seine 0,5l Wasserflasche noch nicht aus dem Rucksack genommen hat. Diese wird dann auf dem Tisch vorne links (wo zuvor noch sein Rucksack stand) abgestellt. Der Kurs beginnt mit einem kurzen Rückblick des vergangenen und einem kleinen Überblick des folgenden Stundenprogramms. M. Déchaux wählt seine Worte sehr bedacht und hat ein angenehmes Sprechtempo, bei dem sogar ich halbwegs mühelos mitschreiben kann. Sobald er ein neues Thema oder Unterthema beginnt steht er auf, um eine neue Überschrift an die Tafel zu bringen. Dazu schiebt er seinen Stuhl jedes Mal aufs Neue an den Tisch zurück. Er kann scheinbar einfach nicht anders, als nach dem Aufstehen erst etwas an die Tafel zu schreiben, wenn er seinen Stuhl, auf dem er gerade noch saß und gleich wieder sitzen wird, an den Tisch zurückgeschoben hat. Seine Bewegungen sind insgesamt alle sehr exakt. Er hat eine sehr penible und akkurate bis überakkurate Ausstrahlung auf mich, was sich auch in seinem Tafelbild widerspiegelt.
Ganz das Gegenteil wird uns dann im zweiten Teil dieses Kurses präsentiert: M. Hoss, ein ausgewanderter Deutscher, Mitte Fünfzig, immer gut angezogen. Er wandert ständig um den Lehrertisch herum, hält stundenlange Monologe und schreibt hier und da mal, ziemlich wahllos, ein paar Wörter an die Tafel. Seine Aussprache ist sehr langsam und mit dem deutschesten Akzent, den man sich vorstellen kann, behaftet. Eine Struktur scheint es bei ihm nicht zu geben, weshalb ich mich jedes Mal aufs Neue frage, wovon er denn nun schon wieder spricht?! Im Gegensatz zu M. Déchaux weiß ich bei M. Hoss nie was ich aufschreiben soll, es scheint alles nicht oder gerade doch wichtig zu sein, doch die Fähigkeit diese Unterscheidung zu treffen bleibt mir vorenthalten. Also halte ich es bei ihm so, dass ich zumindest sein unübersichtliches Tafelbild abschreibe…
lundi, octobre 23, 2006
Schlaraffenland auf Erden
dimanche, octobre 22, 2006
Probenwochenende im Chateau du Breuil in der Bourgogne

An diesem nun fast vergangenen Wochenende hat es mich in die Pampa Frankreichs verschlagen - nämlich nach Le Breuil, wo das Chateau du Breuil seit einigen Jahrhunderten (?) steht. Dies ist ein großes Haus mit vielen Zimmern, in denen - ähnlich wie in einer Jugendherberge - viele Doppelstockbetten stehen und jungen und anderen Menschen einen Platz zum Schlafen bieten.
Ja, und genau da habe ich dieses Wochenende verbracht.
Zuvor musste ich mich am Samstagmorgen um sechs Uhr aus dem Bett quälen - wie immer nach einer viel zu kurzen Nacht! Denn um Acht trafen sich alle Orchestermitglieder beim Probenraum, verteilten sich auf verschiedene Autos und dann ging die gut zwei Stunden dauernde Fahrt in den Norden Frankreichs - gen Bourgogne - los.
Nachdem wir dort angekommen waren verschafften wir uns einen ersten Überblick über unser Domizil - ein weitläufiges Grundstück auf dem das Schloß zentral gelegen ist und so den Blickfang der Ankommenden für sich beansprucht. Nebenan lag der Essenraum mit einer Küche und ausreichend Sitzgelegenheiten - und einem Kamin, der die gesamte Zeit mit seinem romantischen Feuerschein und seiner Wärme alle Frostbeulen um sich scharen sollte, mich natürlich eingeschlossen. Kaum angekommen begann auch schon bald die Probe... Diese fand in einem kleinen Raum auf dem Grundstück statt, der kalt wie ein Kühlschrank war. Es waren vielleicht 15 Grad in diesem Raum während es draußen herrlich warm schien, da die Oktobersonne eine wahre Wärmewonne für uns darstellte. Nach drei Stunden Probe völlig unterkühlt, bekochten wir uns anschließend selbst mit einem drei Gänge Menü... Es gab Spaghetti, Baguette mit Käse und Obst... Richtig lecker! Abends wurde dann, nachdem der gesamte Nachmittag verprobt wurde, wieder warm gegessen - diesmal ein Kartoffelgratin, Käse und selbstgemachter Schokokuchen. Im Anschluß ans Essen wurde dann ordentlich gefeiert, gespielt und gequasselt. Getanzt wurde zu "guter" alter 90er Jahre Technomugge. Ich hielt mich da lieber an die angebotenen Spiele und übte mich zuvor in der französischen Konversation mit einigen Orchestermitgliedern... Nett war das, da ich endlich einmal ausgelassen mein Französisch anwenden konnte und auch verbessert wurde und Fragen stellen konnte zur Grammatik und vielen Vokabeln, die ich sonst immer nur meinem "PONDS" oder dem "Le Robert", meinen ständigen Begleitern hier!, stelle.
Am Sonntagmorgen ging es dann, nach einem typisch französischen Frühstück mit Baguette und Café in einer Glasschale, gut gestärkt und frisch und munter wieder ans Probenwerk im Kühlschrank. Nachmittags, gegen 17 Uhr, beendeten wir dann die harte Probenarbeit, räumten vor Ort alles wieder an seinen Platz und zogen uns dahin zurück wo wir hergekommen waren.
